Hier gibt es Baupläne, Literatur, Abbildungen und andere Arbeitsmaterialien Für die Vorlesung und Übung "Musik der Keltia III" an der Universität Wien im WS 2008/2009
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Musik der keltischen Antike
(Hallstattzeit und Latènezeit)
Aus der Eisenzeit kennen wir neben Instrumentenfunden eine größere Anzahl von Abbildungen und skulpturellen Darstellungen von Instrumenten und Spielern, zunächst vor allem aus dem Hallstattkreis, später in der gesamten Keltia, sowie Berichte antiker Autoren.
Als Instrumente der Hochkultur sind uns zwei Instrumente häufig überliefert: die Leier, meist mit halbmondförmigem Korpus, zwei durch ein Joch verbundenen Armen und zwischen 3 und 7 Saiten (“Troubardix-Leier”), ähnlich der griechischen Phormynx, und die Panflöte (Syrinx) mit bis zu sieben Pfeifen.
Barde mit Leier, St. Paule/ Bretagne
Panflöte und Leier , Situla von Certosa
Leier, Situla von Bologna
Die Darstellungen von Festszenen auf den Situlen der entsprechend benannten "Situlenkultur" (Ostenkelten?, Räter?) zeigen beide Instrumente oft gemeinsam, die Leiern weisen hier eine eigenwillige asymetrische Form auf. Nachbau einer Leier der Hallstattzeit (Albin Paulus 2008)
Im Osthallstattkreis finden wir Doppelhornpfeifen, ähnlich dem griechischen Aulos (häufig wird er deshalb als “Hallstatt-Aulos” bezeichnet), jedoch mit aufgesetzten seitlich angebohrten Tierhörnern als Schallbecher und, bei Vergleich mit rezenten Hornpfeifen (Spielpfeifen bei osteuropäischen und nordafrikanischen Dudelsäcken, baskische alboka und walisisches pibgorn), vermutlich mit Aufschlagzungen (Klarinettenprinzip).
Bronzestatuette aus Százhalombatta
rezente Hornpfeife Pibgorn (Wales)
Flöten sind uns überall durch Funde überliefert, naturgemäß haben sich fast nur solche aus Knochen erhalten. Sie besitzen meist eine Kernspalte (Blockflötenprinzip) und weisen oft Grifföcher auf, wie ein Fund aus Malham (West Yorkshire) mit sogar sechs Löchern wie die heutige tin whistle zeigt. Dieses Instrument deckt bei zusätzlichem Überblasen einen beachtlichen Tonraum ab. Ein wichtiges, spätestens für die Bronzezeit nachweisbares Baumaterial für Flöten und Rohrblattinstrumente war nördlich der Alpen jedoch weniger Knochen, sondern Holunder, da sich seine Äste leicht aushöhlen lassen. Trompeteninstrumente begegnen uns überall in Form von Tierhörnern, z.B. auf den ostkeltischen Situlen. In kultischem Zusammenhang dürften zwei in Irland gefundene Bronzehörner (eines an der Seeopferstätte von Emain Macha) verwendet worden sein, die sich sehr gut auf dem Grundton ähnlich einem Didgeridoo spielen lassen. Außerdem existieren Funde von Keramikhörnern im keltiberischen Raum. Als Kriegstrompeten kennen wir ein dem römischen cornu ähnliches kreisförmig gewundenes Instrument, wie es die bekannte Skulptur des sterbenden Galaters zeigt, und die für die Keltia typische Karnyx, eine gerade, senkrecht nach oben gehaltene Bronzetrompete mit abgewinkeltem Schalltrichter in Form eines Schweinskopfes. Letztere dürfte den zahlreichen Abbildungen nach, z.B. auf dem Kessel von Gundestrup oder auf gallischen Münzen, aber auch nach Berichten antiker Autoren eine große Rolle als furchteinflößendes Lärminstrument gespielt haben. Ein erhaltenes Exemplar aus Deskford (Schottland) besitzt entsprechend eine hölzerne “Schnarrzunge” als Klangverstärker. Ein entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang mit seitlich angeblasenen kultischen Holztrompeten, wie sie noch heute im westfälisch-niederländischen Grenzgebiet gespielt werden (middewinterhorn), ist wahrscheinlich.

Kessel von Gundestrup, Karnyxbläser auf der Innenseite hinten
Unter den Ideophonen sind Rasseln, klingenden Schmuckplättchen und Glöckchen, vor allem aus hallstattzeitlichen Gräbern bekannt. Bemerkenswert sind auch Klingel- und Klappermechanismen an den Rädern der Gräberwagen. Membranophone sind materialbedingt nicht ausreichend überliefert, jedoch weisen inselkeltische Abbildungen auf die zudem kulturhistorisch unumstrittene Existenz von Rahmentrommeln hin. Neben Zeugnissen einer Instrumentalmusik wird im antiken griechischen Schriftum der Gesang der Barden, zum Teil unter Begleitung von Leierklängen in herrschaftlichem Umfeld erwähnt. Die für das spätere Bardentum typische Rahmenharfe kommt erst im 8. Jahrhundert auf. Sie verdrängt die gezupfte Leier, die mit Bekanntwerden des Streichbogenprinzips in Europa im 9. oder 10. Jahrhundert vielerorts in ein Streichinstrument umgewandelt wird. Über die Musik der antiken Kelten selbst lassen sich nur Vermutungen anstellen. Die heute noch in europäischen Rückzugsgebieten vorhandene Pentatonik (z.B. Schottland) hat wohl noch eine größere Rolle gespielt. Sehr wahrscheinlich ist die allgemeine Verbreitung von Obertonmusik: Einerseits auf Instrumenten, die die Naturtonreihe erklingen lassen (wie viele Trompeteninstrumente und grifflochlose Flöten, wie sie noch heute in Skandinavien, in Süditalien und Ungarn gespielt werden) andererseits durch ein Obertonmusizieren, wie wir es vom australischen Didgeridoo, der Maultrommel und vom zentralasiatischen Rachengesang kennen. In den Jahrhunderten nach der Eroberung Galliens wirkt die antike Musikkultur auf den britischen Inseln zum Teil noch weiter. Besonders die Leier gilt in der Folge als typisch inselkeltisches Instrument: im Mittelalter kennen wir dafür die latinisierte Bezeichnung chrotta oder deutsch rotte, was mit air. crott und einem altkeltisch wohl *krotta in Verbindung zu setzen ist. Aufgrund ihrer Umwandlung zu einem Streichinstrument kann sie sich in Wales bis ins 18. Jahrhundert halten (crwth), in Skandinavien und dem Baltikum sogar bis in unsere Tage (stråkharpa, jouhikko), während sie fast überall in Europa verschwindet. Als typisches Instrument der Barden gilt daneben fortan die Harfe, die höchstes Ansehen genießt. Das Bardentum als wichtiger Bestandteil der keltischen Gesellschaft, welches zu einem Großteil der mündlichen Vermittlung von Mythos und Geschichte durch Gesang diente, verliert nach dem Hochmittelalter zunehmend an Bedeutung. Die ursprünglich personelle Einheit von Dichter, Sänger und Musiker unter der Patronanz eines Herrschers löst sich zunehmend auf, wirkt aber in unterschiedlicher Form noch weiter: In Irland und Schottland finden wir noch bis ins 18. Jahrhundert fahrende Harfenisten, die unter dem Schutz der Herrschenden wirken. Auf den äußeren Hebriden hat sich eine Balladensängertradition erhalten, die die keltische Mythologie zum Inhalt hat. In der keltischen Kirche, die bis ins Hochmittelalter eine eigene Liturgie und eigenständige Gesangs- und Instrumentalpraktiken aufwies, hatten ebenfalls Leier und später Harfe eine große Bedeutung, vorwiegend zur Begleitung der Psalmodie.